Galerie 1 - Arno Plack

vorgestellt von: Johannes Hobmayer

Bücher von Arno PlackArno Plack

(geb. am 18.3.1930 in Landshut)
Philosoph, Gesellschaftskritiker, Aufklärer

Noch ein paar gute Taten, gegen
unseren Willen an uns vollbracht, und
wir sind erledigt.

(Arno Plack über Freunde und Feinde in „Philosophie des Alltags“)

Wie wir nach Landshut kamen

München 1991: Wir lebten mit unserer einjährigen Tochter mehr schlecht als recht in einer Einzimmerwohnung mit Wohnküche. Also eine größere Wohnung suchen. In München war eine solche für uns unbezahlbar – zudem wollten wir die Tochter nicht im „Flair“ einer Großstadt aufwachsen wissen. Meine Arbeitsstätte befand sich weiterhin in München. Pendeln bis zu einer Stunde einfach war akzeptabel.

Der Süden von München war zu teuer, Augsburg lag von meiner Heimat und der Verwandtschaft im Berchtesgadener Land zu weit entfernt und Rosenheim erschien uns zu charakterlos. Also der Norden von München.

Freising, Moosburg, Landshut? Selbstverständlich Landshut. Die Heimatstadt von Arno Plack. Gleich zu Beginn der ersten Woche in der neuen Heimat suchte ich nach Spuren von Arno Plack, der 1949 als Zwanzigjähriger nach Regensburg und dann über München nach Heidelberg gezogen war - in der Stadtverwaltung, in der Stadtbücherei, im Fremdenverkehrsamt: Wer? Arno Plack? Kenne ich nicht.

Würdigung

Arno Plack war der erste, der eine umfassende wissenschaftlich begründete kritische Zeitdiagnose der 60er-Jahre entwarf - basierend auf den damals aktuellen Erkenntnissen aus Biologie, Soziologie, Kriminologie, Medizin, Psychologie, Ethnologie und Kulturanthropologie. Heute würden wir ihn als Querdenker bezeichnen.

Zwischen 1954 und 1966 schrieb er politische Kommentare für verschiedene Tageszeitungen. 1967 erschien dann sein Hauptwerk „Die Gesellschaft und das Böse. – Eine Kritik der herrschenden Moral“. Dieses Buch gehörte bis in die 80er-Jahre zur Basislektüre der Sozialwissenschaften und wurde ein Bestseller mit einer Auflage von mehreren hunderttausend Exemplaren. Im „Mythos vom Aggressionstrieb“ (1973) entzauberte er mit seinen Mitarbeitern wissenschaftlich fundiert die damalige Verhaltensforscherikone Konrad Lorenz. Das dritte sozialkritische Werk „Plädoyer für die Abschaffung des Strafrechts“ veröffentlichte Plack 1974, der neben Philosophie auch Rechtswissenschaft studiert hatte. Ein weiterer Bestseller wurde „Ohne Lüge leben - Zur Situation des Einzelnen in der Gesellschaft“ (1976), in dem er weniger die im alltäglichen Verkehr mit anderen oft nützlichen kleinen Schwindeleien anprangerte, sondern „die unsere Gesellschaft durchziehenden und unsere sozialen Beziehungen vergiftenden“ Lebenslügen aufdeckte. Sein persönlichstes Buch erschien 1979 unter dem Titel „Philosophie des Alltags“ – siehe nachfolgende Leseproben. In den 80ern - und Anfang der 90er -Jahre widmete sich Arno Plack in „Hitlers langer Schatten“ und „Wie oft wird Hitler noch besiegt“ den gesellschaftlichen Auswirkungen der Nazizeit. 1986 erschien zwischendurch noch ein kleines Buch mit Satiren unter dem Titel „Es darf nicht wahr sein“. Dann wurde es still um ihn. Im Internet recherchierte ich vereinzelt Zeitungsartikel und Leserbriefe, die noch bis vor ein paar Jahren erschienen waren.

Leseproben aus „Philosophie des Alltags“, DVA 1979

Vom Lesen und Schreiben

… Ich entsinne mich der Jahre, da ich in Büchern suchte, was ich in Gesprächen nicht fand, eine Begründung dafür, dass der eigene und im Mitmenschen uns wieder begegnende Missmut gar nicht zu sein bräuchte, wenn wir das Leben nur etwas anders uns einrichteten: freier, lustbetont und nachdenklicher zugleich. … Über dem Lesen kam ich zum Schreiben. Die Gesellschaft und das Böse wurde das Buch, das ich gerne gelesen hätte, wenn ich es nicht erst hätte schreiben müssen. Inzwischen lese ich, was darin angeregt und zur Perspektive einer neuen Moral verdichtet wurde, aus vielen fremden Federn, freilich mit geringerer Genugtuung. Ein Schriftsteller sieht sich nicht gerne imitiert, wenn er dadurch in Vergessenheit zu geraten droht. … Was wird der lesende Schriftsteller tun? Er liest weiter, liest und lebt und schreibt und liest, um Hoffnung zu schöpfen, auch wieder die Dichter, die positiven Phänomenologen (Max Scheler), die bündiger darlegen, was in der Spezialisierung der Wissenschaften zu zerfasern droht. Was uns fehlt, ist eine Philosophie, die zwischen den Fachwissenschaften Querverbindungen herstellte, ja hinter sie zurückgriffe auf die ursprünglichen Fragen, von denen sie ausgegangen sind, die sie aber, detailverbohrt, vielfach wieder vergessen haben. …

Von Freunden und Feinden

Freundschaften, Liebesbeziehungen können nicht reifen, wenn Absichten, die damit verfolgt werden, ein Ergebnis, das sich hätte entwickeln müssen, immer schon voraus nehmen.

Seinen Feinden treu bleiben – das verlangt die Treue gegen dich selbst und der Respekt vor ihnen.

Man kann gegen einen Menschen in allen Einzelheiten Recht haben und ihm doch durch permanentes Rechthaben im ganzen Unrecht tun.

Das Haus mit der Madonna

Ich hatte in meiner Heimatstadt vor einer Jugendgruppe einen Vortrag zu halten. Um am Tage der Veranstaltung das Lokal nicht zu verfehlen, suchte ich es am Abend vorher. Ich fand es in einem Haus in einer mir wohl vertrauten Straße. Sie war einige Jahre mein Schulweg gewesen, später wohnte hier ein Freund, ziemlich genau in der Mitte der Straße. An diesem Haus fiel mir an jenem Abend etwas zuvor nie Bemerktes auf: eine kleine Nische im ersten Stock, in der eine Madonna stand. Dem grau gewordenen Verputz sah man an, dass sich hier seit Jahrzehnten nichts verändert hatte. Aber die Madonna sah ich an jenem Abend zum ersten Mal. Wie viele Jahre muss man durch eine Stadt gehen, bis man alles Sehenswerte „wie von selbst“ entdeckt hat! … Die immer wiederkehrenden Eindrücke des Alltags verführen dazu, ein gespaltenes Bewusstsein zu entwickeln. Für das, was wir sinnlich weniger gegenwärtig sind, können wir uns sinnend an ferne Gestade versetzen. Um wieder ganz Auge zu werden, bedürfen wir einer Umgebung, in der unsere Sinne wieder gefordert werden, weil wir uns noch nicht zurechtfinden. … Was uns vom Alltag her vertraut ist, zu dem haben wir nicht den Abstand der Verwunderung, der aus der Kenntnis besserer, jedenfalls anderer Lebensmöglichkeiten sich bemisst. Solche Kenntnis des Weitgereisten aber ist nötig, damit uns die Augen aufgehen für das Allernächste.

 

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Text und Auswahl der Zitate: Johannes Hobmayer, 08/2009

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