Der Landshuter Philosoph Arno Plack ist gestorben.

Ein Nachruf.

„Noch ein paar gute Taten, gegen unseren Willen an uns vollbracht, und wir sind erledigt.“

(Arno Plack über Freunde und Feinde in „Philosophie des Alltags“)

 

Fast jeder, der in den 1960er bis 1980er Jahren Philosophie und Sozialwissenschaften studiert hat, hat Arno Placks gesellschaftskritische Werke „Die Gesellschaft und das Böse. – Eine Kritik der herrschenden Moral (1967)“ oder „Ohne Lüge leben - Zur Situation des Einzelnen in der Gesellschaft (1976)“ gelesen. Diese Schriften gehörten bis in die 80er-Jahre zur Basislektüre der Sozialwissenschaften. Erstere wurde ein Bestseller mit einer Auflage von über 600000 Exemplaren.

Würdigung

Arno PlackArno Plack war der erste, der eine umfassende wissenschaftlich begründete kritische Zeitdiagnose der 60er-Jahre entwarf - basierend auf den damals aktuellen Erkenntnissen aus Biologie, Soziologie, Kriminologie, Medizin, Psychologie, Ethnologie und Kulturanthropologie. Heute würden wir ihn als Querdenker bezeichnen.

Zwischen 1954 und 1966 schrieb er politische Kommentare für verschiedene Tageszeitungen – vor allem für die Isar-Post. 1967 erschien dann sein Hauptwerk „Die Gesellschaft und das Böse. – Eine Kritik der herrschenden Moral“, ein “… Buch, das ich gerne gelesen hätte, wenn ich es nicht erst hätte schreiben müssen“. Die Ideen Placks trafen den Nerv der Zeit und mitentfachten einen Diskurs, der weit über die universitären Insiderkreise hinausreichte und auch unmittelbare gesellschaftliche Auswirkungen zeigte. So wurden z.B. Anfang 1969 wie von Plack gefordert Ehebruch und Homosexualität als Delikte aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Im „Mythos vom Aggressionstrieb“ (1973) entzauberte er mit seinen Mitarbeitern wissenschaftlich fundiert die damalige Verhaltensforscherikone Konrad Lorenz. Das dritte sozialkritische Werk „Plädoyer für die Abschaffung des Strafrechts“ veröffentlichte Plack 1974, der neben Philosophie auch Rechtswissenschaft studiert hatte.

Ein weiterer Bestseller wurde „Ohne Lüge leben - Zur Situation des Einzelnen in der Gesellschaft“ (1976), in dem er weniger die im alltäglichen Verkehr mit anderen oft nützlichen kleinen Schwindeleien anprangerte, sondern „die unsere Gesellschaft durchziehenden und unsere sozialen Beziehungen vergiftenden Lebenslügen“ aufdeckte. Sein persönlichstes Buch erschien 1979 unter dem Titel „Philosophie des Alltags“. Hier spricht er auch das unlösbare Problem seiner Reputation als ´nur´ Privatgelehrter an: „Inzwischen lese ich, was (in meinen Büchern) angeregt und zur Perspektive einer neuen Moral verdichtet wurde, aus vielen fremden Federn, freilich mit geringerer Genugtuung. Ein Schriftsteller sieht sich nicht gerne imitiert, wenn er dadurch in Vergessenheit zu geraten droht.“ In den 80ern - und Anfang der 90er -Jahre widmete sich Arno Plack in „Hitlers langer Schatten“ und „Wie oft wird Hitler noch besiegt“ den gesellschaftlichen Auswirkungen der Nazizeit. 1986 erschien zwischendurch noch ein kleines Buch mit Satiren unter dem Titel „Es darf nicht wahr sein“. Dann wurde es still um ihn.

Arno Plack und Landshut

Geburtshaus Arno PlackArno Plack wurde am 18.3.1930 in Landshut geboren. Die Familie Plack (Karl Plack, Studienrat und dessen Ehefrau Luise, geb. Aicher) wohnte damals in der Seligenthaler Straße 60. Nach vier Jahren Volksschule in Landshut folgten 1940 ein einjähriger Besuch der Realschule Weilheim/Obb. und ab 1941 bis 1949 die Oberrealschule wieder in Landshut.

Plack studierte anschließend Philosophie, Psychologie und Jura in Regensburg, München und Heidelberg, das seine zweite Heimat wurde. Mit Landshut blieb er bis Ende der 90er Jahre v.a. wegen seiner hier lebenden Mutter eng verbunden.

(Foto rechts: Placks Geburtshaus Seligenthaler Str. 60 um 1935)

 

Arno Plack ist am 9. Juli 2012 in Heidelberg gestorben.

Werkeverzeichnis

http://www.arno-plack.de/werkverzeichnis.html

 

Landshut, den 06.09.2012
Johannes Hobmayer
Fotos: Archiv Versandantiquariat Hobmayer

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